Die Städte in den Medien - Wohnen in Städten
Die Wohnungsknappheit beschäftigt die Schweiz. Besonders in den grossen Städten führen tiefe Leerwohnungsziffern, z.B. 0,6 Prozent in Lausanne (NZZ, 24.11.25), zu hohen Mieten. In Zürich und Genf kostet eine typische 4,5-Zimmer-Wohnung inzwischen mehr als 4100 Franken (SRF, 18.11.25). Die hohen Mieten führen wiederum zur Verdrängung von Normalverdienenden in die Agglomeration, so der Immobilienexperte Donato Scognamiglio gegenüber dem SRF.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, verfolgen Städte diverse Strategien; eine davon ist das Vorkaufsrecht für Einwohnergemeinden. Während im Kanton Zürich das Vorkaufsrecht in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde (Tages-Anzeiger, 30.11.25) und im Kanton Fribourg bereits im Grossen Rat scheiterte (Bilan, 24.11.25), verfügen Städte und Gemeinden im Kanton Waadt seit 2020 über diese Möglichkeit, um preisgünstigen Wohnraum zu erhalten oder schaffen: Lausanne hat mit dem Vorkaufsrecht bislang 15 Gebäude mit ca. 330 Wohnungen erworben (NZZ, 24.11.25). Vevey konnte durch Verhandlungen mit Nestlé Bauland zu einem reduzierten Preis erwerben, um 70 bis 90 gemeinnützige Wohnungen zu realisieren (Bilan, 24.11.25). Auf der kommunalen Ebene diskutiert die Stadt Luzern die Einführung eines Vorkaufsrechts, wenn der Leerwohnungsstand unter 1,5 Prozent liegt (Urner Zeitung, 8.11.25). Teilweise moniert die Immobilienbranche, dass der staatliche Erwerbsprozess und die nachfolgende Sanierung oder bauliche Verdichtung langsamer und weniger effizient verlaufe als bei privaten Investoren, was letztlich die Schaffung von neuem Wohnraum bremse (NZZ, 24.11.25). In Luzern kommt die Kritik vom Hauseigentümerverband, der einen Eingriff in die Eigentumsgarantie sieht (Urner Zeitung, 8.11.25).
Weitere Strategien der Städte sind etwa die Erhöhung der Mietzinslimiten für Sozialhilfebeziehende in Winterthur (Der Landbote, 15.11.25) oder die Gründung einer Wohnbaustiftung, um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums zu fördern, in Villars-sur-Glâne (Freiburger Nachrichten, 19.11.25).
Zuletzt fördern die Städte auch gezielt neue Siedlungen – teilweise auf eigenem Bauland. Die Stadt Bern hat sich für die Überbauung des Gaswerk-Areals entschieden. Von den 500 vorgesehen Wohnungen sollen 75 Prozent gemeinnützig oder preisgünstig sein (SRF, 11.11.25). Thun wiederum stimmte über das Bostudenzelg-Areal ab, auf dem 600 sozial durchmischte Wohnungen geplant sind (Berner Oberländer, 19.11.25). Die Stadt Bulle plant mit dem Quartier La Pâla 750 Wohnungen zu schaffen (24heures, 29.10.25). Die Städte versuchen auch spezifischen Bedürfnissen der Gesellschaft zu begegnen: Aarau etwa baut altersgerechte Wohnungen (Aargauer Zeitung, 17.11.25) und Chur zieht in Betracht, Wohnungen für Studierende zu fördern (SRF, Regionaljournal Graubünden, 17.11.25).
Kommentar Grégoire Junod, Stadtpräsident Lausanne:
Städte und Agglomerationen möchten der gesamten Bevölkerung einen Lebensraum bieten, unabhängig von Einkommen, Alter, Status oder Bildungsniveau. Die Wohnungsknappheit ist daher auch in Lausanne und der gesamten Region eine grosse Herausforderung. Für unsere Stadt besteht sie darin, sowohl neue Wohnungen zu schaffen als auch erschwingliche Mieten zu erhalten. Lausanne setzt sich deshalb für nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum ein und kämpft gegen die Verdrängung des Mittelstands aus dem Stadtzentrum. Bei ihren Vorzeigeprojekten, wie dem Bau des Ökoquartiers Plaines-du-Loup im Norden der Stadt, wurde als Hauptbedingung die Verpflichtung zur Förderung der sozialen Durchmischung nach der Drei-Drittel-Regel festgelegt. Die Wohnungen sind somit zu gleichen Teilen aufgeteilt: ein Drittel sind subventionierte/mietpreisgebundene Wohnungen, ein Drittel sind Wohnungen in Wohnbaugenossenschaften und ein Drittel sind Wohnungen zum Marktpreis. Der erste Abschnitt dieses Ökoviertels ist heute fertiggestellt. Er bietet Platz für 2500 neue Einwohnerinnen und Einwohner. Langfristig sollen hier 8000 Menschen wohnen. Parallel zum Bau neuer Wohnungen setzt Lausanne seine Bodenpolitik fort, um bezahlbare Mieten zu erhalten und Mieter zu schützen, insbesondere durch die Ausübung ihres Vorkaufsrechts. Auf diese Weise hat die Stadt bereits 15 Gebäude mit insgesamt 327 Wohnungen erworben und sie so der Finanzspekulation entzogen, wobei die bestehenden Mietverträge beibehalten und somit bezahlbare Mieten garantiert werden konnten.
Disclaimer: Mit dem Format «Städte in den Medien» greift der Städteverband ein für die Städte relevantes Thema auf, das die Medien in den letzten Wochen vermehrt behandelten. Der Zusammenfassung liegen die Medienbeiträge in der SSV-Presseschau zugrunde. Eine Stimme aus dem Verband ordnet aus der eigenen Warte ein. Der spezifische Kommentar muss nicht der konsolidierten Verbandsposition entsprechen.
